Kein Germ. Kein Knödel. Aber verdammt viel Glück dazwischen.

Ich habe einen Germknödel gebacken, der weder Germ enthält noch ein Knödel ist. Bevor jetzt die österreichische Lebensmittelpolizei anrückt und mir wegen grober Täuschung die Backerlaubnis entzieht, möchte ich zu meiner Verteidigung sagen: Mohnkekse mit Pflaumenmusfüllung klang einfach eher nach einem Gebäck, das bei einer Seniorenweihnachtsfeier neben entkoffeiniertem Kaffee auf seinen letzten großen Auftritt wartet.

Dabei haben diese kleinen Dinger einen ziemlich unanständigen Charakter: eine dicke Schicht tiefdunkles Pflaumenmus. So viel, dass es beim ersten Bissen beinahe herausquillt.

Und plötzlich sitzt man gedanklich in einer Berghütte. Draußen fällt Schnee, drinnen beschlagen die Fenster, und eine freundliche Frau stellt einem einen Germknödel hin, der die Ausmaße eines Sofakissens hat.

Damals war Glück erstaunlich unkompliziert. Man brauchte keine Achtsamkeits-App, kein Dankbarkeitstagebuch und keinen Menschen, der einem für 189 Euro erklärte, wie man wieder zu sich selbst findet.

Ein warmer Teller hat gereicht.

Sie schmecken nach einer Zeit, in der Nachmittage noch endlos waren. In der jemand in der Küche stand, während man selbst nichts weiter tun musste, als darauf zu warten, dass etwas fertig wurde. Dieses wunderbare Gefühl, dass sich jemand kümmert.

Heute stehen wir selbst in der Küche, rühren Pflaumenmus ein, kneten Teig und versuchen, dieses Gefühl irgendwie wieder zusammenzubacken.

Manchmal gelingt es.

Ich habe das Pflaumenmus übrigens extra eingekocht, damit die Schicht zwischen den Keksen schön dick wird.

Ob diese Kekse wirklich nach Germknödel schmecken? Erstaunlich nah dran.

Ob sie Germknödel heißen dürfen? Vermutlich nicht.

Aber wenn wir anfangen, jedes Gebäck nach seinen tatsächlichen Inhaltsstoffen zu benennen, müssen wir demnächst auch darüber sprechen, warum in Liebesknochen keine Knochen stecken und Kalter Hund niemals beim Tierarzt war.

Und diese Diskussion möchte ich wirklich nicht führen.

Ich habe schließlich Kekse zu essen.

Germknödel-Kekse

Servings: 20 Stück
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

Teig

  • 225 g Weizenmehl Type 405
  • 100 g gemahlener Mohn
  • 90 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • Abrieb von 1 kleinen Bio-Zitrone
  • 1 Prise Salz
  • 180 g kalte Butter
  • 2 Eigelb
  • 1 bis 2 EL kalte Milch falls nötig

Füllung

  • 250 g Powidl
  • 1 bis 2 TL Rum oder Wasser falls nötig

Anleitungen

  • Mehl, Mohn, Zucker, Vanillezucker, Zitronenabrieb und Salz mischen. Die kalte Butter in kleinen Würfeln und die Eigelbe dazugeben und alles zügig zu einem glatten Mürbeteig verkneten. Ist der Teig zu trocken, etwas kalte Milch zugeben. Den Teig halbieren, zu zwei flachen Scheiben formen, in Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen.
  • Backofen auf 175 °C Ober- und Unterhitze vorheizen und zwei Bleche mit Backpapier belegen. Den Teig portionsweise zwischen zwei Lagen Backpapier gleichmäßig 5 mm dick ausrollen und mit einem runden Ausstecher (6 cm) 40 Kreise ausstechen. Die Reste einmal kurz zusammenkneten und erneut ausrollen. Die Kekse mit etwas Abstand auf die Bleche legen und vor dem Backen 10 Minuten in den Kühlschrank stellen, damit sie ihre Form behalten.
  • Die Kekse 12 bis 14 Minuten backen, bis die Ränder ganz leicht golden sind. Einige Minuten auf dem Blech ruhen lassen und dann auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen.
  • Den Powidl glatt rühren, bis er geschmeidig ist. Ist er sehr fest, 1 bis 2 TL Rum oder Wasser unterrühren, aber nicht mehr, sonst verliert die Füllung ihren Stand. Den Powidl in einen Spritzbeutel mit großer Lochtülle (ca. 10 mm) füllen. Auf die Unterseite von 20 Keksen jeweils einen dicken Tupfen von etwa 3,5 cm Durchmesser spritzen. Die übrigen Kekse aufsetzen und nur leicht andrücken, bis die Füllung knapp an den Rand reicht.
  • Am besten am Vorabend füllen. Über Nacht verbinden sich Keks und Powidl, und die Kekse bleiben trotzdem mürbe. In einer Dose halten sie sich etwa 5 Tage.

TIPP

Gemahlener Mohn wird schnell bitter. Kauf ihn frisch gemahlen oder mahle ihn selbst kurz vor dem Backen.

Powidl ist das österreichische Zwetschgenmus, mit dem auch Germknödel gefüllt werden. Er wird ganz ohne Geliermittel und mit wenig oder gar keinem Zucker gekocht und rund 10 bis 12 Stunden eingekocht, bis nur noch eine dunkle, fast schwarze Masse übrig ist. Besonders aromatisch wird er, wenn man zu Beginn etwas Zucker karamellisiert. Für Füllungen kocht man ihn länger als für einen Brotaufstrich.

Pflaumenmus statt Powidl: Du kannst auch Pflaumenmus nehmen. Die Füllung wird dann allerdings nicht so dick und standfest. Hilfreich ist es, das Mus vorher 5 bis 10 Minuten offen einzukochen und vollständig abkühlen zu lassen.

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