Apfel- Minzgelee
Minzgelee klingt erst einmal wie etwas, das in englischen Landhäusern von sehr dünnen Frauen mit Perlenohrringen zu sehr totem Lamm gereicht wird. Also nach Tradition, Silberbesteck und emotionaler Unterkühlung.
Tatsächlich ist es aber erstaunlich gut. Und ein bisschen frech. Grüne Äpfel, Wasser, Zucker und eine Handvoll Minze werden zu diesem gläsernen kleinen Etwas verkocht, das so tut, als wäre es Marmelade, dabei aber eigentlich eher die frische Cousine vom Chutney ist. Nur ohne das ganze Gewürztheater.
Die Äpfel geben Pektin, die Minze gibt Haltung, der Zucker erledigt wie immer die eigentliche Arbeit und bekommt am Ende vermutlich trotzdem keinen Dank. Heraus kommt ein Gelee, das erst harmlos aussieht und dann plötzlich alles kann: zu Brot, zu Käse, zu Lamm, zu kaltem Braten, zu Sandwiches, zu allem, was einen kleinen Tritt in Richtung britische Exzentrik vertragen könnte.
Man kann natürlich auch naturtrüben Apfelsaft nehmen, wenn man nicht erst Äpfel auskochen und stundenlang durch ein Tuch tropfen lassen möchte wie eine Hauptfigur in einem sehr langsamen BBC Drama. Dann wird das Gelee etwas rustikaler, weniger klar, dafür alltagstauglicher. Es verliert ein bisschen seine feine Internatsblässe, gewinnt aber an Küchenrealismus.
Und ja, die grüne Lebensmittelfarbe ist optional. Wer sie nimmt, sollte sie behandeln wie Parfum im Fahrstuhl: Ein Tropfen kann interessant sein, drei Tropfen machen alle aggressiv.
Am Ende steht da ein Glas Minzgelee auf dem Tisch und schaut aus, als hätte ein Apfel einen sehr kühlen Gedanken gehabt. Süß, frisch, leicht streng und genau richtig für Tage, an denen Butterbrot allein wieder aussieht wie eine Kapitulation.
Schnelles Minzgelee mit Apfelsaft
Zutaten
- 1,5 Liter naturtrüber oder klarer Apfelsaft ungesüßt
- 750 g Gelierzucker 2:1
- 30 bis 40 g frische Minze
- 2 bis 3 EL Zitronensaft
- optional: ein paar Tropfen grüne Lebensmittelfarbe
Anleitungen
- Apfelsaft, Gelierzucker und Zitronensaft aufkochen und nach Packungsangabe 3 bis 4 Minuten sprudelnd kochen lassen. Dann kurz abkühlen lassen, fein gehackte blanchierte Minze unterrühren und in sterilisierte Gläser füllen.
TIPP
Für ein schönes, relativ klares Gelee: klaren Apfelsaft nehmen.
Für ein natürlicheres, rustikales Gelee: naturtrüben Apfelsaft nehmen.
Für die beste klassische Textur: grüne Äpfel selbst auskochen, weil du dadurch natürliches Pektin bekommst.
Die grüne Lebensmittelfarbe ist optional. Ohne wird es eher goldgrün bis bernsteinfarben. Mit Farbe sieht es mehr nach klassischem Mint Jelly aus, kann aber schnell künstlich wirken, wenn man zu viel nimmt. Also wirklich nur tropfenweise.
Apfel-Minzgelee ohne Gelierzucker
Zutaten
- 1 kg grüne säuerliche Äpfel
- 1,5 Liter Wasser
- 1,2 kg weißer Zucker
- 40 g frische Minzblätter
- optional: ein paar Tropfen grüne Lebensmittelfarbe
- 3 EL Zitronensaft
Anleitungen
- Äpfel ungeschält grob hacken. Das Kerngehäuse kann mit hinein, wenn die Äpfel sauber sind, denn dort sitzt viel Pektin.
- Äpfel mit 1,5 Liter Wasser in einen großen Topf geben, aufkochen und zugedeckt etwa 1 Stunde sanft köcheln lassen, bis alles weich und breiig ist.
- Die Masse durch ein feines Tuch, Passiertuch oder sehr feines Sieb abtropfen lassen. Mindestens 3 Stunden, besser über Nacht. Nicht ausdrücken, sonst wird das Gelee trüb. Das ist der Moment, in dem man erwachsen bleiben muss, auch wenn es schwerfällt.
- Die aufgefangene Apfelflüssigkeit abmessen. Pro 250 ml Flüssigkeit ca. 220 g Zucker verwenden.
- Apfelflüssigkeit, Zucker und optional Zitronensaft in einen großen Topf geben. Unter Rühren erhitzen, bis sich der Zucker gelöst hat. Dann sprudelnd kochen lassen, ohne ständig zu rühren, bis die Gelierprobe passt. Das dauert etwa 25 bis 35 Minuten.
- Das Gelee kurz abkühlen lassen, bis es nicht mehr kochend heiß ist, aber noch flüssig bleibt.
- Die Minzblätter 2 Sekunden in kochendem Wasser blanchieren, sofort kalt abschrecken, gut trocken tupfen und fein hacken. Dann unter das lauwarme Gelee rühren. So bleibt die Minze schöner grün und wird nicht sofort traurig braun.
- In sterilisierte Gläser füllen, sofort verschließen und abkühlen lassen.
Ein Glas voll Apfellicht, Kräutermagie und leichter britischer Gemeinheit.
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