Einfacher Chai-Apfelkuchen
Manchmal muss man eine Erinnerung würzen, damit sie wieder nach etwas schmeckt.
Apfelkuchen ist bei mir eigentlich kein Kuchen. Er ist ein Ort.
Einer von diesen Orten, die es vielleicht nie genau so gegeben hat, an die man sich aber trotzdem erinnert. Eine Küche, in der es ein bisschen zu warm ist. Eine angeschnittene Butterpackung auf dem Tisch. Äpfel, die nicht glänzen, weil niemand sie für ein Foto poliert hat. Und irgendwo dieses Versprechen, dass die Welt für eine Stunde nichts von einem will.
Vielleicht mögen wir Apfelkuchen deshalb so sehr. Er liegt einfach auf dem Teller und weiß ziemlich genau, wer er ist.
Und dann kommt Chai.
Kardamom, Ingwer, Nelke, Fenchel, Koriander, Muskat, Pfeffer. Eine kleine Gewürzversammlung, bei der Zimt ausnahmsweise nicht allein das Wort führen darf.
Plötzlich bekommt dieser sehr deutsche, vertraute Apfelkuchen eine zweite Stimme.
Er schmeckt immer noch nach Äpfeln, Butter und diesem weichen, saftigen Teig, in dem die Früchte beinahe verschwinden. Aber darunter passiert etwas. Erst warm. Dann würzig. Dann ein bisschen pfeffrig. Kardamom macht irgendwo eine Tür auf, Nelke stellt sich dunkel in den Raum, Ingwer kommt hinterher und hinterlässt Wärme auf der Zunge.
Und der kräftige Assam-Tee hält das alles zusammen.
Das gefällt mir an diesem Kuchen vielleicht am meisten: Er versucht nicht, aus Apfelkuchen etwas völlig Neues zu machen. Er nimmt etwas Vertrautes und verschiebt es nur ein kleines Stück.
Vielleicht brauchen Erinnerungen genau das manchmal.
Wir verbringen schließlich erstaunlich viel Zeit damit, Dinge genauso haben zu wollen wie früher. Weihnachten wie früher. Sonntage wie früher. Menschen wie früher. Uns selbst am besten auch noch.
Dabei war früher vermutlich alles deutlich weniger golden, als unser Gedächtnis behauptet.
Also darf der Apfelkuchen bleiben.
Nur der Zimt bekommt Gesellschaft.
Und plötzlich schmeckt etwas, das man seit Jahrzehnten kennt, wieder so, als würde man es zum ersten Mal essen.
Das ist vielleicht eine ziemlich gute Definition von Glück.
Oder zumindest ein verdammt guter Grund für ein zweites Stück.
Einfacher Chai-Apfelkuchen
Zutaten
- 4 Beutel kräftiger Assam-Schwarztee
- 120 ml kochendes Wasser
- 1 TL Apfelessig
- 280 g Zucker
- 1,1 kg Äpfel
- 3 Eier
- 1 Prise Salz
- 140 g Butter geschmolzen
- 3 TL Chai-Gewürz am besten selbst gemischt
- abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone
- 350 g Mehl
- 1 Pck. Backpulver
- 100 ml Vollmilch
- Puderzucker zum Bestäuben
Anleitungen
- Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine Springform mit 26 cm Durchmesser einfetten und mit etwas von dem Zucker ausstreuen.
- Teebeutel mit 120 ml kochendem Wasser übergießen. Abdecken und 10 bis 12 Minuten ziehen lassen. Wir wollen hier keinen höflichen Nachmittagstee. Der Tee darf beinahe unverschämt kräftig werden.
- Milch und Apfelessig verrühren und 5 Minuten stehen lassen. Die Mischung zum heißen Tee geben und weitere 5 Minuten ziehen lassen.
- Die Teebeutel anschließend gründlich ausdrücken. Die Flüssigkeit beiseitestellen. Die Äpfel schälen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Anschließend in dünne Scheiben schneiden.
- Eier und restlichen Zucker mit dem Handrührgerät mehrere Minuten aufschlagen, bis die Masse deutlich heller und schaumig ist. Salz hinzufügen. Die geschmolzene, etwas abgekühlte Butter langsam unterrühren.
- Chai-Gewürz und abgeriebene Zitronenschale dazugeben und kurz weiterschlagen.
- Mehl und Backpulver vermischen und sieben. Abwechselnd mit der Chai-Milch kurz unter die Eiermasse rühren. Nur so lange rühren, bis ein homogener Teig entstanden ist.
- Die Apfelscheiben unter den Teig heben und sorgfältig vermengen, sodass möglichst alle Apfelscheiben etwas Teig abbekommen.
- Die Masse in die vorbereitete Springform geben und die Oberfläche glatt streichen.
- Im vorgeheizten Ofen etwa 55 bis 65 Minuten backen. Gegen Ende mit einem Holzstäbchen prüfen, ob der Teig durchgebacken ist. Bleibt nur etwas Feuchtigkeit von den Äpfeln daran hängen, ist der Kuchen fertig.
- Den Kuchen zunächst etwa 15 Minuten in der Form abkühlen lassen. Anschließend vorsichtig aus der Springform lösen und vollständig oder noch leicht warm abkühlen lassen.
- Vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.
Das beste Chai-Gewürz selbst mischen
Fertiges Chai-Gewürz ist bequem. Das Problem ist nur, dass manche Mischungen hauptsächlich nach Zimt schmecken und Kardamom irgendwo im Kleingedruckten stattfindet.
Für diesen Kuchen würde ich deshalb selbst mischen.
Chai-Gewürzmischung, ergibt etwa 25 g
3 TL Kardamom
3 TL Zimt
2 TL Ingwer
½ TL Piment
½ TL Nelken
½ TL Fenchel
½ TL Koriander
¼ TL Muskat
¼ TL schwarzer Pfeffer
Falls ganze Gewürze verwendet werden, diese zunächst sehr fein mahlen. Anschließend alle Gewürze gründlich miteinander vermischen und luftdicht aufbewahren.
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