Gebrannte Mandelcreme

Gebrannte Mandeln gehören zum Weihnachtsmarkt wie Glühwein, kalte Füße und Menschen, die mitten im größten Gedränge stehen bleiben, um ihre WhatsApp-Nachrichten zu lesen.

Früher bekam man sie in einer warmen Papiertüte, die nach Zucker und Kindheit roch.

Heute kostet dieselbe Tüte ungefähr so viel wie eine Eigentumswohnung in einer strukturschwachen Gemeinde. Dafür bekommt man immerhin noch einen Kassenzettel, falls man die Mandeln steuerlich als Wertanlage geltend machen möchte.

Ich liebe gebrannte Mandeln trotzdem. Vielleicht sogar ein bisschen zu sehr.

Dieses Geräusch, wenn die karamellisierte Zuckerkruste zwischen den Zähnen zerbricht. Dieser warme Duft, der sich in die Nase legt wie eine Erinnerung, die gar nicht gefragt hat, ob sie bleiben darf. Und dieser erste Geschmack, bei dem man für einen kurzen Moment vergisst, dass man eigentlich nur auf dem Weihnachtsmarkt ist, weil jemand unbedingt noch handgeschnitzte Holzengel anschauen wollte.

Also habe ich beschlossen, die gebrannten Mandeln ins Glas zu sperren.

Nicht aus Bosheit. Obwohl ich ihnen durchaus zutraue, dass sie sonst wieder acht Euro verlangen würden, sobald ich den Deckel öffne.

Entstanden ist eine Gebrannte-Mandelcreme, die so schmeckt, als hätte der Weihnachtsmarkt seine besten Seiten zusammengekratzt und die Menschenmassen vorsorglich draußen gelassen. Man kann die Creme aufs Brot streichen, in Desserts geben, in einen Cheesecake einarbeiten oder direkt aus dem Glas löffeln.

Letzteres ist übrigens keine Charakterschwäche. Es ist eine sehr effiziente Form der Geschirrvermeidung.

Und während draußen die ersten Menschen wieder darüber diskutieren, ob Weihnachten früher schöner war, sitze ich mit meinem Glas Gebrannte-Mandelcreme am Küchentisch.

Früher war nicht alles besser.

Aber die Mandeln waren günstiger.

Das Rezept gibt es natürlich auch. Denn ich möchte nicht, dass ihr für euren nächsten Löffel einen Finanzierungsplan braucht.

Gebrannte Mandelcreme

Servings: 500 g
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

Für die gebrannten Mandeln

  • 250 g Mandeln mit Haut
  • 150 g Zucker
  • 100 ml Wasser
  • 1 TL Ceylon-Zimt
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker

Für die Creme

  • 100 g weißes Mandelmus
  • 80 g weiße Schokolade
  • 35 g neutrales Rapsöl
  • 1 Prise feines Meersalz
  • Optional gemahlene Tonkabohne sehr sparsam dosiert

Anleitungen

  • Zucker, Wasser, Zimt, Vanillezucker und Salz in eine breite, beschichtete Pfanne geben. Aufkochen lassen und die Mandeln hinzufügen. Unter regelmäßigem Rühren bei mittlerer bis hoher Hitze köcheln lassen, bis das Wasser verdampft und der Zucker trocken und sandig wird. Die Hitze etwas reduzieren und weiterrühren. Der kristallisierte Zucker beginnt erneut zu schmelzen und legt sich als glänzende, karamellisierte Schicht um die Mandeln. Nicht zu dunkel werden lassen, sonst schmeckt die Creme bitter.
  • Die Mandeln auf Backpapier verteilen und vollständig abkühlen lassen.
  • Mandeln in einen leistungsstarken Foodprocessor geben. Zunächst entstehen Krümel, anschließend eine feine Mandelmasse. Immer wieder Pausen machen und die Masse von den Seiten schieben. Je nach Gerät kann dieser Vorgang 5 bis 15 Minuten dauern.
  • Schokolade vorsichtig über einem Wasserbadschmelzen und etwas abkühlen lassen.
    Mandelmus, geschmolzene Schokolade, Tonka, Rapsöl undMeersalz zu den zerkleinerten Mandeln geben. Alles gründlich mixen, bis einecremige, leicht körnige Masse entsteht. Wer eine besonders feine Creme möchte,mixt länger.
    In zwei saubere, vollständig trockene Schraubgläser füllen und abkühlen lassen. Die Creme wird beim Abkühlen fester.
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