Crème fraîche
Man merkt, dass man endgültig auf dem Dorf angekommen ist, wenn man Lebensmittel nicht mehr einfach verwendet, sondern ihnen erst einmal zwei Tage beim Reifen zusieht.
Beispiel: Crème fraîche.
Die meisten Menschen öffnen dafür einen Becher. Ich stellte Sahne und Buttermilch in einem Glas auf die Küchenzeile und wartete darauf, dass Bakterien daraus etwas Essbares machen. Eine bemerkenswerte Entwicklung für jemanden, der bereits beim Anblick eines Menschen mit einem Glas Milch innerlich die Notausgänge sucht.
Das liegt bei uns in der Familie. Meine Mutter konnte niemandem beim Milchtrinken zusehen, ohne dass ihr Gesicht jenen Ausdruck annahm, den andere Menschen nur bei offenen Brüchen zeigen. Ich habe diese Begabung geerbt. Sobald ein Mensch ein Glas Kuhmilch an den Mund setzt, reagiert mein Körper, als würde gleich eine medizinische Dokumentation beginnen.
Und nun stand ich da. Mit Sahne, Buttermilch und Vertrauen in Mikroorganismen.
Auf dem Dorf wundert das niemanden.
Hier ist Fermentation ein normaler Dienstag. Früher wurde eingekocht, geschlachtet, gebuttert, eingelegt und vermutlich auch das Geschirr selbst getöpfert. Heute kaufe ich Mandelmilch und habe schon das Gefühl, eine Entscheidung getroffen zu haben.
Nach einigen Stunden begann die Mischung tatsächlich einzudicken. Ich stand davor wie ein stolzer Vater, der zwar nicht genau versteht, was sein Kind beruflich macht, aber trotzdem jedem davon erzählt. Natürlich bleibt so etwas hier nicht privat.
Auf dem Dorf gibt es zwei Dinge, die zuverlässig weitergegeben werden: Lebensmittel und Informationen. Bei beidem weiß man selten genau, wo es ursprünglich herkam.
Noch am selben Tag wusste vermutlich jemand am anderen Ende der Straße, dass ich jetzt Milchprodukte fermentiere. Wahrscheinlich wurde auch bereits besprochen, ob das zu mir passt. Das ist Dorfleben.
Du kannst hier zehn Jahre wohnen, ohne zu wissen, wie jemand mit Nachnamen heißt. Aber alle wissen, dass du am Dienstag um 16.40 Uhr ein Glas mit Sahne auf die Küchenzeile gestellt hast.
Selbstgemachte Crème fraîche und Basilikum-Limetten-Dip
Zutaten
Selbstgemachte Crème fraîche
- 500 ml Schlagsahne mindestens 30 % Fett
- 60 ml reine Buttermilch aus dem Kühlregal
Basilikum-Limetten-Crème-fraîche
- 300 g selbstgemachte oder gekaufte Crème fraîche
- 1 Bund Basilikum
- 1 unbehandelte Limette
- 1 EL Olivenöl
- 1 TL Limettensaft nach Geschmack etwas mehr
- Salz
- frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Anleitungen
Crème fraîche
- Glas und Deckel gründlich reinigen und mit kochendem Wasser ausspülen. Anschließend vollständig abtropfen und abkühlen lassen.
- Sahne und Buttermilch in das Glas geben und vorsichtig miteinander verrühren.
- Das Glas abdecken und bei normaler Raumtemperatur stehen lassen. Nach etwa 12 Stunden erstmals kontrollieren. Die Crème fraîche ist fertig gereift, wenn sie deutlich eingedickt ist, cremig aussieht und angenehm mild säuerlich riecht. Je nach Raumtemperatur kann das etwa 12 bis 24 Stunden, gelegentlich auch länger dauern. Währenddessen nicht ständig öffnen, schütteln oder umrühren.
- Sobald die gewünschte Konsistenz erreicht ist, das Glas verschließen und mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank stellen. Dort verlangsamt sich die Fermentation stark und die Crème fraîche wird noch fester.
- Durchgehend gekühlt und sauber entnommen aufbewahren.
Basilikum-Limetten-Dip
- Basilikum waschen und sorgfältig trocken schütteln. Die Blätter abzupfen und sehr fein hacken.
- Die Limette heiß waschen und gründlich trockenreiben. Die Schale fein abreiben, dabei möglichst nur die grüne Schicht verwenden. Anschließend etwas Saft auspressen.
- Crème fraîche mit Limettenabrieb, einem Teelöffel Limettensaft und Olivenöl glatt verrühren.
- Den fein gehackten Basilikum unterheben. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken.
- Den Dip vor dem Servieren etwa 20 bis 30 Minuten kalt stellen, damit sich Basilikum, Limette und Crème fraîche geschmacklich verbinden.
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!