Cremige Hähnchen-Gnocchi-Suppe mit Spinat und Rosmarin

Gnocchi in Sahne zu ertränken, ist keine Straftat.

Der November hat die bemerkenswerte Angewohnheit, bereits um vier Uhr nachmittags wie ein schlecht beleuchteter Friedhof auszusehen. Draußen stirbt das Tageslicht, drinnen köchelt die Gegenwehr.

Kleine Gnocchi, weich und wunderbar unverschämt, schwimmen in einer cremigen Brühe aus Sahne, Knoblauch und Rosmarin.  Der Rosmarin duftet nach italienischen Gärten, die Sahne nach französischer Maßlosigkeit und die Gnocchi nach dem dringenden Bedürfnis, den Topf vor anderen Menschen zu verstecken.

Mit jeder Minute auf dem Herd wird die Küche wärmer und die Bereitschaft, das Haus noch einmal zu verlassen, geringer. Ein ziemlich vernünftiger Tausch, wenn man bedenkt, was draußen auf einen wartet.

Zumal die Welt vor der Haustür derzeit wenig zu bieten hat, was mit einem tiefen Teller voller Glück konkurrieren könnte. Nasse Gehwege, schlecht gelaunte Menschen und Supermärkte, in denen bereits seit September Last Christmas läuft. Da erscheint es geradezu geboten, sich mit einem großen Löffel gegen die Zumutungen der Jahreszeit zu verteidigen.

Das Hähnchen zerfällt in zarte Fasern, der Spinat verliert sich zwischen den Gnocchi und die Sahne legt sich wie ein sündhaft teurer Kaschmirpullover um alles, was ihr begegnet. Nur dass Kaschmir bekanntlich nicht nach Knoblauch schmeckt. Ein bedauerlicher Mangel der Textilindustrie.

Spätestens beim zweiten Teller stellt sich jene tiefe Zufriedenheit ein, für die andere Menschen sündhaft teure Wellnesswochenenden buchen. Mit Bademantel, Klangschalen und einem Gurkenwasser, das vermutlich mehr kostet als sämtliche Zutaten dieser Suppe.

Ich bleibe lieber am Küchentisch. Hier verlangt niemand, dass ich meine innere Mitte finde. Es reicht völlig, wenn ich mit dem Löffel die nächsten Gnocchi erwische.

Cremige Hähnchen-Gnocchi-Suppe mit Spinat und Rosmarin

Servings: 4 Portionen
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

  • 3 EL Olivenöl
  • 1 Zwiebel fein gehackt
  • 2 Karotten geschält und klein gewürfelt
  • 2 Stangen Staudensellerie klein geschnitten
  • Salz und schwarzer Pfeffer
  • 4 Knoblauchzehen zerdrückt
  • 950 ml Hühnerbrühe
  • 250 g gekochtes Hähnchenfleisch in Stücke gezupft
  • 1 EL frische Rosmarinnadeln fein gehackt
  • 500 g frische Gnocchi
  • 150 g Babyspinat
  • 300 ml Sahne

Anleitungen

  • Olivenöl in einem großen Topf bei mittlerer Hitze erhitzen. Zwiebel, Karotten und Staudensellerie hineingeben und etwa 5 bis 6 Minuten anschwitzen, bis das Gemüse leicht weich geworden ist. Mit Salz und Pfeffer würzen.
  • Knoblauch hinzufügen und etwa eine weitere Minute unter Rühren mitdünsten. Er soll sein Aroma entfalten, aber keine Farbe annehmen.
  • Hühnerbrühe angießen und Rosmarin sowie das Hähnchenfleisch dazugeben. Alles einmal aufkochen lassen, anschließend die Hitze reduzieren und etwa 10 Minuten sanft köcheln lassen.
  • Gnocchi, Babyspinat und Sahne hinzufügen. Weitere 3 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Gnocchi gar sind und der Spinat gerade zusammengefallen ist. Bei Bedarf die Garzeit der Gnocchi entsprechend der Packungsangabe verlängern.
  • Suppe noch einmal mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren.
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