Lotus-Biscoff-Zupfkuchen
Nachmittags um vier ist Kaffeezeit. Früher hatte der Nachmittag noch eine feste Verabredung. Um vier Uhr wurde Kaffee gekocht, der Kuchen angeschnitten und das gute Geschirr aus dem Schrank geholt. Nicht, weil jemand Geburtstag hatte, sondern weil es vier Uhr war. Das allein war Grund genug.
Es hatte etwas herrlich Unverhandelbares. Der Kaffee dampfte, die Kuchengabeln klirrten, und für eine halbe Stunde durfte die Welt draußen machen, was sie wollte. Man setzte sich einfach hin, nahm sich ein Stück Kuchen und fragte höchstens, ob noch jemand Sahne wollte.
Ich finde, wir sollten diese altmodische Nachmittagsdekadenz dringend wieder einführen.
Der Kaffee wird im Stehen getrunken, der Kuchen durch einen Proteinriegel ersetzt, und wer nachmittags eine halbe Stunde am Tisch sitzt, gilt beinahe schon als arbeitsscheu.
Dabei war die Kaffeetafel vielleicht eine der zivilisiertesten Erfindungen überhaupt. Eine kleine tägliche Feier der Nutzlosigkeit, mit Porzellan, Krümeln und dem stillschweigenden Einverständnis, dass sich die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nicht in einer Tabellenkalkulation erfassen lassen.
Und wenn wir schon zu dieser schönen alten Sitte zurückkehren, dann bitte mit angemessener Verschwendung.
Mein dekadenter Lotus-Biscoff-Kuchen wäre jedenfalls ein ausgesprochen würdiger Gast auf jeder Kaffeetafel.
Es schmeckt, als hätte jemand die Gemütlichkeit eines alten Sonntagnachmittags in schweren Samt gehüllt und ihr ein unanständig großzügiges Haushaltsgeld bewilligt.
Natürlich ist dieser Kuchen keine bescheidene Angelegenheit. Aber Bescheidenheit wurde beim Kaffeetrinken ohnehin überschätzt. Wer eine Torte auf einer dreistöckigen Etagere serviert, sollte anschließend nicht über die Kalorien eines Stücks diskutieren.
Und ich mag diesen Gedanken, dass um vier Uhr einfach alles kurz stillstehen darf. Dass man eine Tischdecke glattstreicht, den Kaffee einschenkt, den Kuchen auf die Teller hebt und sich Zeit nimmt. Nicht für ein besonderes Ereignis, sondern für einen ganz gewöhnlichen Nachmittag, der dadurch plötzlich ein bisschen kostbarer wird.
Lotus-Biscoff-Zupfkuchen
Zutaten
Für den Teig
- 100 g Lotus-Biscoff-Kekse
- 175 g Butter kalt und in Stücken
- 200 g Mehl
- 150 g Zucker
- 1 Stck. Ei
- 1 Pck. Backpulver
- 1 Prise Salz
- Etwas Butter zum Einfetten
Für die Füllung
- 150 g Lotus-Biscoff-Creme
- 750 g Magerquark
- 150 g Zucker
- 100 g Butter
- 3 Stck. Eier
- 1½ Pck. Vanillepuddingpulver
- 1 Prise Salz
Anleitungen
- Die Lotus-Biscoff-Kekse in einem Multizerkleinerer fein mahlen. Alternativ in einen Gefrierbeutel geben und mit einem Nudelholz fein zerbröseln.
- Keksbrösel mit Mehl, Zucker, Backpulver und Salz in einer Schüssel vermischen. Die kalte Butter in Stücken und das Ei hinzufügen. Alles mit den Knethaken des Handrührgeräts oder den Händen zügig zu einem glatten Teig verkneten.
- Teig in Frischhaltefolie wickeln und etwa 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
- Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Springform mit Butter einfetten.
- Butter bei niedriger Hitze in einem kleinen Topf schmelzen und etwas abkühlen lassen.
- Die Lotus-Biscoff-Creme in einem zweiten kleinen Topf bei sehr niedriger Hitze vorsichtig erwärmen, bis sie weich und geschmeidig ist.
- Quark, Zucker, Eier, Vanillepuddingpulver und Salz in einer großen Schüssel mit dem Handrührgerät glatt verrühren. Anschließend die flüssige Butter und die erwärmte Biscoff-Creme hinzufügen und alles zu einer gleichmäßigen, cremigen Masse verrühren.
- Etwa zwei Drittel des gekühlten Teigs auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche rund ausrollen.
- Den Teig in die vorbereitete Springform legen, den Boden damit auskleiden und einen etwa 2 bis 3 cm hohen Rand formen.
- Die Biscoff-Quarkfüllung daraufgeben und die Oberfläche glatt streichen.
- Den restlichen Teig mit den Fingern in kleine, unregelmäßige Stücke zupfen und locker auf der Quarkmasse verteilen. Dabei dürfen ruhig einige Stellen der hellen Füllung sichtbar bleiben.
- Kuchen auf der mittleren Schiene etwa 50 bis 60 Minuten backen, bis die Teigstücke goldbraun sind und die Quarkfüllung am Rand fest geworden ist. Die Mitte darf beim vorsichtigen Bewegen noch leicht wackeln. Backofen ausschalten, die Tür einen Spalt öffnen und den Kuchen etwa 15 Minuten darin ruhen lassen.
- Anschließend herausnehmen und in der Form vollständig auskühlen lassen. Kuchen danach mindestens 2 Stunden in den Kühlschrank stellen.
- Erst dann vorsichtig aus der Springform lösen.
Meine Tipps
Die Füllung nicht zu stark aufschlagen. Zu viel eingerührte Luft lässt den Kuchen beim Backen stärker aufgehen und anschließend leichter einfallen. Die Zutaten deshalb nur so lange verrühren, bis eine homogene Creme entstanden ist.
Die Biscoff-Creme nur sanft erwärmen. Sie soll geschmeidig werden, aber nicht heiß sein. So lässt sie sich besser unter die Quarkmasse rühren.
Den Kuchen nicht zu lange backen. Die Füllung soll cremig bleiben. Eine leicht wackelnde Mitte ist bei einem Käsekuchen normal, solange sie nicht mehr flüssig ist.
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