Cremiger Rahmkuchen mit Zimtkruste
Die menschliche Würde ist ein hohes Gut. Erstaunlich, dass sie sich für ein Stück Kuchen so billig verkaufen lässt.
Eben noch sitzt man am Tisch, führt Gespräche über die Lebenshaltungskosten und die Unfähigkeit der Nachbarn, ihre Mülltonnen ordentlich hinzustellen. Wenige Augenblicke später kratzt man mit der Kuchengabel über Porzellan, und überlegt, ob man das letzte Stück unbemerkt verschwinden lassen könnte.
Besonders erbärmlich sind die Menschen, die vorher behauptet haben, sie hätten eigentlich gar keinen Hunger. Dieselben Menschen entwickeln beim Anblick des letzten Kuchenstücks plötzlich eine Aufmerksamkeit, die sie ihren eigenen Kindern seit Jahren nicht mehr entgegengebracht haben.
Dabei ist dieser Kuchen von geradezu hinterhältiger Zurückhaltung. Nur eine zerbrechliche Zimtkruste und darunter eine Creme, die sich auf der Zunge so langsam auflöst, als hätte sie beschlossen, den Nachmittag eigenmächtig zu verlängern.
Und plötzlich ist dieser Geschmack da. Der von früher.
Von Küchen, in denen die Stühle nie ganz zusammenpassten. Von Menschen, die beim Anschneiden grundsätzlich behaupteten, das erste Stück sei nichts geworden, und es deshalb selbst essen mussten.
Damals wurde nicht gefragt, ob man noch Platz für Kuchen hatte. Platz wurde geschaffen. Zur Not durch das Öffnen des obersten Hosenknopfs.
Wie merkwürdig, dass uns solche Kleinigkeiten fehlen. Nicht die großen Familienfeiern, sondern das Klappern des Geschirrs, die vertrauten Stimmen aus der Küche.
Heute stehen wir oft selbst in diesen Küchen. Die alten Kuchenteller haben überlebt, ihre früheren Besitzer nicht immer. Wir kennen inzwischen die Rezepte und die genaue Stelle, an der der Tisch ein wenig wackelt.
Nur das Gefühl, noch einmal dort sitzen zu dürfen, wo früher unser Platz war, lässt sich nicht nachbacken.
Aber manchmal kommt ihm ein Stück Kuchen erschreckend nahe.
Und während man den letzten Krümel vom Teller schiebt, hört man wieder diese eine Stimme: „Nimm dir ruhig noch eins. Sonst bleibt das wieder alles an mir hängen.“
Ein Satz, in dem früher die ganze Liebe einer Familie Platz hatte.
Cremiger Rahmkuchen mit Zimtkruste
Zutaten
Mürbeteig
- 350 g Weizenmehl
- 175 g kalte Butter
- 95 g Zucker
- 1 Eigelb
- 1 TL Backpulver
- 1 TL Vanillepaste
- 1 Prise Salz
- 2 bis 3 EL kaltes Wasser nach Bedarf
Rahmfüllung
- 600 g Schlagsahne
- 700 g Schmand
- 90 g Speisestärke
- 150 g Zucker
- 3 Eier
- 1 Eigelb
- Mark von 1 Vanilleschote
- Fein abgeriebene Schale von ½ Bio-Zitrone
- 1 Prise Salz
Zimtkruste
- 40 g brauner Zucker
- 2 TL Ceylon-Zimt
- 1 kleine Prise Salz
Anleitungen
- Für den Mürbeteig Mehl, Zucker, Backpulver und Salz vermischen. Die kalte Butter in Würfeln, das Eigelb und die Vanillepaste hinzufügen. Alles zügig zu einem glatten Teig verkneten. Falls der Teig zu trocken ist, nach und nach etwas kaltes Wasser zugeben. Den Teig abgedeckt mindestens 30 Minuten kalt stellen.
- Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Boden der Springform mit Backpapier auslegen und den Rand leicht einfetten.
- Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und in die Springform legen. Dabei einen etwa 5 bis 6 cm hohen Rand formen. Den Boden mehrfach mit einer Gabel einstechen.
- Teig mit Backpapier bedecken und mit Backgewichten beschweren. Etwa 12 Minuten blindbacken. Anschließend Papier und Gewichte entfernen und weitere 5 Minuten backen. Den Boden kurz abkühlen lassen.
- Für die Füllung die Speisestärke mit etwa 200 g der kalten Sahne sorgfältig glatt rühren, bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind.
- Die restliche Sahne, Schmand, Zucker, Eier, Eigelb, Vanillemark, Zitronenabrieb und Salz hinzufügen. Alles mit einem Schneebesen zu einer gleichmäßigen, glatten Masse verrühren. Dabei möglichst wenig Luft einschlagen.
- Backofentemperatur auf 160 °C Ober-/Unterhitze reduzieren. Die Rahmfüllung auf den vorgebackenen Mürbeteig geben und den Kuchen auf der mittleren bis unteren Schiene etwa 65 bis 80 Minuten backen.
- Etwa 10 bis 15 Minuten vor Ende der Backzeit braunen Zucker, Zimt und Salz vermischen und vorsichtig auf der Oberfläche verteilen. Den Kuchen fertig backen, bis die Ränder stabil sind und die Mitte beim vorsichtigen Bewegen der Form noch leicht wackelt.
- Backofen ausschalten, die Ofentür einen Spalt öffnen und den Kuchen etwa 30 Minuten darin ruhen lassen. Anschließend herausnehmen und vollständig auf Raumtemperatur abkühlen lassen.
- Rahmkuchen mindestens 6 Stunden, am besten über Nacht, im Kühlschrank durchziehen lassen. Vor dem Servieren etwa 20 Minuten bei Raumtemperatur stehen lassen.
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