Germknödel-Dessert mit Pflaumen-Powidl und Mohn-Vanillecreme

Der Germknödel ist jetzt ein Dessert. Damit müssen wir alle klarkommen.

Der Germknödel hatte eigentlich ein gutes Leben.
Er war warm, rund und hatte Pflaumenmus in der Mitte und keinerlei Ambitionen, sich neu zu erfinden. Jetzt sitzt er im Glas.

Natürlich wird spätestens an dieser Stelle jemand sagen, dass das kein Germknödel sei. Das Internet hat für solche Fälle Menschen abgestellt. Sie sitzen bereits mit verschränkten Armen vor ihren Bildschirmen und warten darauf, dass irgendwo jemand ein traditionelles Gericht um zwei Zutaten verändert.

Ich möchte ihnen ihre Aufgabe nicht nehmen.

Ja. Ein Germknödel hat Hefeteig. Meiner heute nicht.

Dafür hat er alles behalten, weswegen man ihn überhaupt vermisst.

Ganz unten liegen Pflaumen und Pflaumenmus, dunkel und schwer wie ein Novembernachmittag, der schon um vier Uhr beschlossen hat, Feierabend zu machen. Süß, säuerlich und so tiefviolett, als hätte der Spätsommer seinen letzten guten Anzug angezogen.

Darüber kommt Mohn-Vanillecreme.

Sie fällt ins Glas wie frischer Schnee auf ein Dach und Vanille macht sich darin breit wie jemand, der nur kurz auf einen Kaffee vorbeikommen wollte und drei Stunden später noch am Küchentisch sitzt.

Und dann braune Butter. Sie riecht nach warmer Küche, nach Winter und ein bisschen nach der vollkommen unrealistischen Vorstellung, man könnte drei Tage in einer Berghütte verbringen, ohne irgendwann mit jemandem über die richtige Einstellung der Heizung zu streiten. Der Mohn liegt dazwischen wie schwarzer Konfettiregen nach einer sehr kleinen, gelungenen Feier.

Der Löffel bricht durch die  Creme, taucht ins Pflaumenkompott und zieht eine rote Spur nach oben, als hätte der Winter Lippenstift getragen und vergessen, den Mund abzuwischen.

Und plötzlich ist er da. Der Germknödel, nicht als Knödel. Wir wollen die Kirche schließlich im Dorf und den Hefeteig in der Schüssel lassen.

Aber als Erinnerung. Pflaume, Mohn, Vanille und Butter.

Germknödel-Dessert mit Pflaumen-Powidl und Mohn-Vanillecreme

Servings: 4 Portionen
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

Für das Pflaumen-Powidl-Kompott

  • 400 g Pflaumen entsteint
  • 100 g Pflaumenmus
  • 100 ml Pflaumensaft oder Apfelsaft
  • 25 g Speisestärke
  • 25 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 kleine Prise Zimt

Für die Mohn-Vanillecreme

  • 250 g Sahne
  • 250 g Mascarpone
  • 30 g gemahlener Mohn
  • 30 g Vanillezucker
  • 1 TL Vanillepaste oder Vanilleextrakt
  • 1 kleine Prise Salz
  • 25 g Butter

Anleitungen

  • Pflaumen in kleine Stücke schneiden.
  • Pflaumensaft mit Speisestärke, Zucker und Vanillezucker in einem Topf kalt glatt rühren. Pflaumen und eine kleine Prise Zimt dazugeben.
  • Alles erhitzen und etwa 10 Minuten sanft köcheln lassen. Dabei gelegentlich umrühren. Das Pflaumenmus unterrühren und noch etwa 1 Minute erhitzen. Das Kompott soll schön dick werden. Vollständig abkühlen lassen.
  • Butter in einem kleinen Topf schmelzen und weiter erhitzen, bis sie leicht gebräunt ist und nussig duftet. Vom Herd nehmen und vollständig abkühlen lassen.
  • Sahne steif schlagen.
  • Mascarpone mit Mohn, Vanillezucker, Vanille und Salz kurz cremig rühren. Die abgekühlte braune Butter langsam unterrühren. Anschließend die geschlagene Sahne unterheben.
  • Das kalte Kompott in vier Gläser geben. Die Mohn-Vanillecreme locker darauf verteilen.

TIPP

Für den Hefegeschmack ein paar Brioche Stücke unter die Creme rühren.

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