Spekulatiuskuchen mit Mandarinen und Quark-Sahne-Creme
Die Dosenmandarine hat sich in deutschen Gemeindehäusern eine Machtposition erschlichen, die selbst Gisela vom Kirchenvorstand nervös macht.
Ich habe Dosenmandarinen jahrzehntelang gemieden. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Selbstschutz. Für mich waren das kleine orangefarbene Wasserleichen, die irgendwann einmal an einem Baum gehangen haben sollen und anschließend in einer Zuckerlösung auf ihre Wiederauferstehung warteten.
Bis ich begriff, dass man in einem deutschen Gemeindehaus mit solchen Vorurteilen nicht weit kommt.
Wer jemals ein Dorffest im Gemeindehaus besucht hat, weiß, dass die Dosenmandarine dort eine gesellschaftliche Stellung genießt, von der die meisten Bürgermeister nur träumen können.
Sie liegt im Dessert, sitzt im Kuchen und schwimmt im Nudelsalat. Vermutlich wird sie auch in den Gemeinderat gewählt, sobald jemand herausfindet, wie man ihr einen Kugelschreiber in die Hand drückt.
Und wehe, man äußert Kritik.
Dann steht plötzlich Gisela vor einem, die seit 1986 den Festausschuss leitet, drei Schlüssel zum Gemeindehaus besitzt und einen Nudelsalat verteidigt, als hinge die freiheitlich-demokratische Grundordnung davon ab.
„Das haben wir schon immer so gemacht!“
Ein Satz, mit dem sich in Deutschland erstaunlich viel erklären lässt. Von der Mandarine im Schichtsalat bis zur fehlenden Digitalisierung.
Ich habe mich also ergeben. Schlimmer noch: Ich habe angefangen, diese kleinen orangefarbenen Konservenbewohner zu mögen.
In meinem Spekulatiuskuchen liegen sie jetzt in einer luftigen Quark-Sahne-Creme.
Das Ergebnis schmeckt nach Weihnachten, Kindheit und der dritten Portion, die offiziell niemand gegessen hat. Inzwischen stehen zwei Dosen im Vorratsschrank.
Gisela wäre stolz auf mich. Wahrscheinlich würde sie mich sofort für den Festausschuss verpflichten.
Und genau deshalb erzähle ich ihr nichts davon.
Spekulatiuskuchen mit Mandarinen und Quark-Sahne-Creme
Zutaten
Rührteig
- 250 g weiche Butter
- 180 g Zucker
- 4 Eier Größe M
- 250 g Weizenmehl
- 40 g Speisestärke
- 2 TL Backpulver
- 1 TL Vanilleextrakt
- 1 Prise Salz
- 80 ml Milch
Mandarinen-Quark-Creme
- 800 g Sahne gut gekühlt
- 500 g Quark 20 % Fett
- 4 EL Zucker
- 1 TL Zimt
- 1 TL Vanilleextrakt
- 560 g Mandarinen aus der Dose Abtropfgewicht
- 10 Blatt Gelatine
Für den Belag
- Gewürzspekulatiuskekse
- Außerdem
- Backrahmen idealerweise ca. 25 × 30 cm
- Backpapier
Anleitungen
- Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Einen Backrahmen auf etwa 25 × 40 cm einstellen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen.
- Butter mit Zucker, Vanilleextrakt und Salz etwa 4 bis 5 Minuten hell und cremig aufschlagen.
- Eier einzeln zugeben und jeweils etwa 30 Sekunden gründlich unterrühren. Milch unterrühren.
- Mehl, Speisestärke und Backpulver vermischen, sieben und kurz unter die Buttermasse rühren.
- Teig gleichmäßig im Backrahmen verstreichen und im vorgeheizten Ofen etwa 25 bis 35 Minuten backen. Mit der Stäbchenprobe prüfen, ob der Boden durchgebacken ist.
- Anschließend vollständig auskühlen lassen.
- Die Mandarinen in ein Sieb geben und mindestens 15 Minuten gründlich abtropfen lassen. Anschließend vorsichtig mit Küchenpapier trocken tupfen. Je weniger überschüssige Flüssigkeit in die Creme gelangt, desto besser wird ihre Konsistenz.
- Die Gelatineblätter etwa 5 bis 10 Minuten in reichlich kaltem Wasser einweichen.
- Währenddessen den Quark mit Zucker, Zimt und Vanilleextrakt glatt rühren.
- Die eingeweichte Gelatine ausdrücken und in einem kleinen Topf bei sehr niedriger Hitze unter Rühren auflösen. Sie darf nicht kochen.
- Zunächst 3 bis 4 EL der Quarkmasse portionsweise unter die aufgelöste Gelatine rühren, damit sich die Temperaturen angleichen.
- Anschließend die Gelatinemischung zügig und gründlich unter die restliche Quarkmasse rühren.
- Die gut gekühlte Sahne in einer großen Schüssel steif schlagen.
- Sobald die Quarkmasse leicht anzudicken beginnt, die geschlagene Sahne in mehreren Portionen vorsichtig unterheben.
- Zum Schluss die gut abgetropften Mandarinen mit einem Teigschaber behutsam unterziehen.
- Die Creme sollte luftig und gleichmäßig sein, ohne bereits feste Gelatineklümpchen zu enthalten.
- Den vollständig ausgekühlten Rührteig im Backrahmen lassen.
- Die gesamte Mandarinen-Quark-Creme daraufgeben und gleichmäßig bis an die Ränder verstreichen.
- Die Oberfläche mit einer Winkelpalette oder einem großen Löffel glatt ziehen.
- Den Kuchen mindestens 8 Stunden, am besten über Nacht, im Kühlschrank fest werden lassen.
- Die Spekulatiuskekse vor dem Servieren gleichmäßig auf der Creme verteilen und leicht andrücken.
- Wer die Kekse lieber weich mag, kann sie bereits vor der Kühlzeit auflegen.
- Den Backrahmen vorsichtig lösen und entfernen.
- Den Kuchen mit einem langen, scharfen Messer in Stücke schneiden. Das Messer nach jedem Schnitt reinigen, damit die Cremeschichten sauber bleiben.
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