Suppe für den Zustand dazwischen

Eine italienisch inspirierte Nudelsuppe für Menschen, die offiziell nichts haben, sich aber trotzdem nicht ganz trauen, so zu tun.

Diese Suppe wird oft „Penicillin-Suppe“ genannt, was medizinisch ungefähr so korrekt ist wie der Versuch, mit heißem Tee existenzielle Probleme zu lösen, aber der Name hat sich gehalten, weil er genau dieses diffuse Versprechen transportiert, das man in solchen Momenten gerne annimmt. Man ist nicht krank genug fürs Bett, aber auch nicht fit genug für Optimismus, also landet man in diesem Zustand dazwischen, in dem man weder Mitleid noch Lösungen braucht, sondern etwas Warmes.

Die Suppe selbst macht daraus kein großes Ereignis, sie verzichtet auf Heldengeschichten und Superkräfte und konzentriert sich stattdessen auf Gemüse, Ei, kleine Nudeln und Parmesan, also auf Dinge, die seit Jahrhunderten beweisen, dass sie zumindest dafür taugen, den Tag ein kleines Stück weniger anstrengend zu machen. Sie heilt nichts, sie repariert nichts und sie behauptet auch nicht, dass danach alles gut wird, aber sie schafft es erstaunlich zuverlässig, dass man für ein paar Minuten aufhört, sich selbst zu beobachten.

Der Name erklärt sich damit fast von allein, denn diese Suppe ist genau für den Moment gedacht, in dem man nicht weiß, ob man sich zusammenreißen oder hinlegen soll, und sich deshalb für etwas entscheidet, das beides gleichzeitig erlaubt. Man isst sie langsam, fühlt sich dabei ein wenig vernünftiger als vorher und stellt fest, dass der Körper manchmal weniger Aufmerksamkeit braucht als ein ordentlich gewürztes, heißes Essen.

Und falls sie am Ende doch nicht geholfen hat, dann immerhin auf die einzig akzeptable Art, nämlich ohne falsche Versprechen, aber mit Parmesan, und das ist in vielen Lebenslagen bereits ein solides Ergebnis.

Penicillin-Suppe

Suppe für den Zustand dazwischen

Servings: 4 Portionen
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

  • 2 Karotten in Scheiben geschnitten
  • 2 Stangen Sellerie gewürfelt
  • 1 Zwiebel gehackt
  • 8 Knoblauchzehen grob gehackt
  • 2 Liter Hühnerbrühe
  • 2 TL grobes Salz
  • 30 g Butter weich
  • Pfeffer
  • 2 Eier
  • 20 g fein geriebener Parmesan plus mehr zum Servieren
  • 2 EL gehackte glatte Petersilie plus mehr zum Servieren
  • 225 g Acini di Pepe oder andere kleinen Suppennudeln Sternchen

Anleitungen

  • Karotten, Sellerie, Zwiebel, Knoblauch, 1,4 Liter Brühe und Salz in einem großen Topf erhitzen. Aufkochen und 25–30 Minuten sanft köcheln, bis das Gemüse sehr weich ist. Mit Stabmixer oder Blender nur grob pürieren. Restliche Brühe und 15 g Butter einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und sanft köcheln lassen. Eier, Parmesan und etwas Petersilie verquirlen. Unter ständigem Rühren in die Suppe geben, bis feine Eifäden entstehen. Nudeln separat in Salzwasser al dente kochen, abgießen, mit den restlichen 15 g Butter vermengen. Nudeln auf Schüsseln verteilen, Suppe darüber geben, mit Parmesan und Petersilie servieren.
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