Kürbis-Zimtschnecken-Muffins

Der Kürbis hat sich jahrelang alles gefallen lassen.

Er wurde ausgehöhlt, bekam Dreieckaugen ins Gesicht geschnitten und stand anschließend drei Wochen vor Haustüren, bis er aussah wie ein Politiker nach der Hochrechnung.

Kulinarisch lief es kaum besser.

Suppe. Immer wieder Suppe.

Mit Ingwer, Kokosmilch und einem Klecks Kürbiskernöl, der in Restaurants seit ungefähr 2004 so auf die Oberfläche geträufelt wird, als müsse dort noch schnell eine Unterschrift hin.

Ich finde, das reicht.

Deshalb kommen 240 Gramm Kürbispüree diesmal in einen Muffinteig. Dazu Butter, Zimt und eine Schicht aus braunem Zucker, die beim Backen durch den Teig zieht und sich aufführt, als hätte eine Zimtschnecke heimlich im Muffin eingecheckt.

Das Kürbispüree macht dabei etwas ausgesprochen Vernünftiges: Es hält den Teig weich und saftig, ohne dass anschließend alles schmeckt, als hätte man in eine Gemüsebeilage gebissen.

Vernunft endet allerdings ungefähr dort, wo die geschmolzene Butter mit braunem Zucker und Zimt verrührt wird.

Und endgültig vorbei ist sie beim Zuckerguss.

Ich habe davon etwas mehr gemacht als unbedingt notwendig. „Etwas mehr“ ist beim Zuckerguss ohnehin eine der sympathischeren Maßeinheiten unserer Zeit.

Der darf oben dick aufliegen. Der darf herunterlaufen. Der darf an einer Stelle mehr sein als an der anderen.

Diese dünnen weißen Linien, die aussehen, als hätte jemand aus drei Metern Entfernung einmal mit einer Pipette über das Gebäck gewunken, können andere machen.

Wer möchte, füllt den Teig in einen Spritzbeutel und spritzt ihn spiralförmig in die Förmchen. Mit etwas Glück sehen einige Muffins nach dem Backen oben tatsächlich ein bisschen wie Zimtschnecken aus.

Mit etwas weniger Glück sehen sie aus wie Muffins.

Auch damit muss eine Gesellschaft umgehen können.

Und dann kommt der Moment, in dem einer noch leicht warm auf dem Teller liegt, der Zuckerguss gerade fest genug geworden ist und man eigentlich nur probieren wollte, ob er gelungen ist.

Qualitätskontrolle. Eine Tätigkeit, die bei zwölf Muffins überraschend viele Stichproben erfordert.

Kürbis-Zimtschnecken-Muffins

Servings: 12 Stück
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

Für den Teig

  • 240 g Kürbispüree
  • 115 g Butter
  • 150 g Zucker
  • 1 Ei
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 190 g Weizenmehl Type 405
  • 1 TL Natron
  • 1 TL Backpulver
  • ½ TL Salz
  • 1 TL Zimt

Für die Zimtfüllung

  • 60 g Butter
  • 50 g brauner Zucker
  • 1 TL Zimt

Für den Zuckerguss

  • 100 g Puderzucker
  • ½ TL Vanilleextrakt
  • 2 bis 3 EL Milch

Anleitungen

  • Den Backofen auf 175 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Mulden eines Muffinblechs mit 12 Papierförmchen auslegen.
  • Für den Teig die Butter schmelzen und kurz abkühlen lassen. Kürbispüree, Butter, Zucker, Ei und Vanilleextrakt in einer großen Schüssel glatt rühren.
  • Mehl, Natron, Backpulver, Salz und Zimt in einer zweiten Schüssel vermischen. Die trockenen Zutaten zur Kürbismischung geben und nur kurz unterheben, bis gerade so ein gleichmäßiger Teig entstanden ist. Nicht minutenlang weiterrühren. Muffinteig nimmt übertriebene Aufmerksamkeit ähnlich übel wie manche Menschen.
  • Für die Zimtfüllung die Butter schmelzen. Braunen Zucker und Zimt unterrühren.
  • Die Muffinförmchen zunächst etwa zur Hälfte mit Teig füllen. Jeweils etwas Zimtfüllung daraufgeben und mit dem restlichen Teig bedecken. Mit einem Holzstäbchen einige Male spiralförmig durch Teig und Zimtfüllung ziehen.
  • Die Muffins 20 bis 25 Minuten backen. Mit einem Holzstäbchen prüfen, ob sie durchgebacken sind. Anschließend aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.
  • Für den Guss Puderzucker und Vanilleextrakt mit zunächst 2 EL Milch verrühren. Nur so viel weitere Milch zugeben, bis ein dicker, langsam fließender Guss entsteht. Großzügig über die Muffins geben und ruhig an einigen Stellen an den Seiten herunterlaufen lassen. Wir wollen Zuckerguss und keine homöopathische Erinnerung daran.

Tipp für die Zimtschnecken-Optik:

Du kannst den fertigen Muffinteig in einen großen Spritzbeutel füllen und ihn spiralförmig in die Förmchen spritzen. Zwischendurch die Zimtfüllung verteilen und die letzte Teigportion ebenfalls als lockere Spirale aufspritzen. Eine Garantie für perfekte Schnecken gibt es nicht, dafür ist Muffinteig zu eigensinnig. Aber bei einigen Exemplaren zeichnet sich die Spirale nach dem Backen tatsächlich noch schön ab. Und genau die stellt man später natürlich nach vorne..

Tipp für selbst gemachtes Kürbispüree:

Dafür eignet sich beispielsweise Hokkaido oder Butternut. Kürbis halbieren, Kerne entfernen und in grobe Stücke schneiden. Bei 200 °C Ober-/Unterhitze etwa 30 bis 40 Minuten backen, bis das Fruchtfleisch vollständig weich ist. Hokkaido kann mit Schale püriert werden, Butternut aus der Schale lösen. Anschließend sehr fein pürieren und vollständig abkühlen lassen. Ist das Püree deutlich wässriger als gekauftes Kürbispüree, kurz in einem feinen Sieb abtropfen lassen. Für das Rezept anschließend 240 g abwiegen.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Rezept Bewertung