Cremige Kürbis Pasta

Kürbis hat irgendwann einen sehr erfolgreichen Immobilienbetrug hingelegt.

Jeden September zieht er gleichzeitig in Vorgärten, Wohnzimmer, Cafés und die Instagram-Bios von Menschen ein, die plötzlich „cozy season“ schreiben, obwohl sie vor drei Wochen noch bei 34 Grad über den Sommer gemeckert haben.

Ich wollte mich daran eigentlich nicht beteiligen.

Dann habe ich Kürbispüree mit Knoblauch, Parmesan, Salbei und Gemüsebrühe in eine Pfanne gegeben und festgestellt, dass moralische Standfestigkeit auch nur so lange hält, bis Käse im Spiel ist.

Also: Kürbis-Pasta.

Und bevor jetzt jemand „Pumpkin Spice“ ruft: Nein. Das hier schmeckt nicht nach Duftkerze.

Der Kürbis macht etwas wesentlich Vernünftigeres. Er wird mit Brühe, Milch und Parmesan zu einer Sauce, die sich so cremig um die Pasta legt, dass man kurz versteht, warum Menschen Beziehungen eingehen, obwohl sie wissen, wie das meistens endet.

Dazwischen weicher Blattspinat, der erfreulicherweise nicht versucht, aus dem Abendessen noch schnell einen Detox-Moment zu machen. Gehackte Walnüsse sorgen für kleine herbe, nussige Unterbrechungen. Salbei bringt diese warme, leicht ätherische Würze mit, die sofort nach Herbst schmeckt, ohne dass irgendwo ein Deko-Kürbis mit der Aufschrift „Hello Fall“ stehen muss.

Und dann sind da noch die gerösteten Kürbiskerne.

Ein bisschen Crunch. Gerade genug, damit der Mund zwischendurch merkt, dass er noch Aufgaben hat.

Das Entscheidende ist aber die Sauce.

Sie muss reichlich da sein. Nicht dieses deutsche Pastakonzept, bei dem jede Nudel einmal höflich an Sauce vorbeigeführt wurde und das dann als ausreichend gilt.

Sie soll sich zwischen die Pasta setzen, am Spinat hängen, Walnussstückchen festhalten und am Ende noch auf dem Teller übrig bleiben.

Für die Gabel.

Oder ein Stück Brot.

Oder den Finger.

Wir sind hier schließlich unter uns.

Das Ergebnis ist cremig, würzig, leicht süßlich, salzig, nussig und ein bisschen erdig. Und der kleine Schuss Essig macht genau das, was bei sehr guten Essen häufig jemand tun muss: Er unterbricht rechtzeitig, bevor es zu gemütlich wird.

Ich fürchte also, der Kürbis darf bleiben. Aber „cozy season“ schreibe ich trotzdem nicht.

Cremige Kürbis Pasta

Servings: 2 Portionen
Author: Patrick Rosenthal

Zutaten

  • 225 g Pasta zum Beispiel Fettuccine, Linguine oder Spaghetti
  • 50 ml Olivenöl
  • 3 Knoblauchzehen gehackt
  • 240 g Kürbispüree
  • 80 ml Vollmilch
  • 1 EL Weißweinessig oder Apfelessig
  • 250 ml Gemüsebrühe
  • 1 TL Salz
  • ½ TL schwarzer Pfeffer
  • 3 bis 4 Salbeiblätter optional
  • 50 g Parmesan
  • 60 g Babyspinat
  • 30 g Walnüsse gehackt
  • 2 EL geröstete Kürbiskerne

Anleitungen

  • Die Pasta in reichlich Salzwasser nach Packungsanweisung al dente kochen. Vor dem Abgießen etwa 150 ml Pastawasser auffangen.
  • Währenddessen das Olivenöl in einer großen Pfanne bei mittlerer Hitze erwärmen. Knoblauch hineingeben und 3 Minuten anschwitzen.
  • Kürbispüree, Milch, Weißweinessig und Gemüsebrühe zugeben. Mit Salz und Pfeffer würzen und alles mit einem Schneebesen glatt rühren. Die Sauce bei mittlerer Hitze 4 bis 5 Minuten sanft köcheln lassen.
  • Den Salbei fein schneiden. Parmesan und Salbei unter die Sauce rühren. Die Hitze reduzieren und die Sauce weitere 2 bis 3 Minuten ziehen lassen.
  • Babyspinat zugeben und nur so lange unterheben, bis die Blätter weich zusammenfallen. Walnüsse unterrühren.
  • Die abgetropfte Pasta direkt in die Pfanne geben und mit der Kürbissauce vermengen. Nach und nach etwas vom aufgefangenen Pastawasser unterrühren, bis die Sauce seidig und deutlich saucig an der Pasta haftet. Sie darf sich ruhig noch leicht am Boden der Pfanne sammeln. Beim Abkühlen zieht sie ohnehin nach.
  • Auf Teller verteilen und mit den gerösteten Kürbiskernen bestreuen. Nach Belieben etwas Parmesan darüberreiben und mit wenigen Salbeiblättern servieren.

TIPP

Die Sauce sollte in der Pfanne zunächst fast einen Tick zu flüssig wirken. Pasta und Parmesan binden innerhalb weniger Minuten ordentlich Flüssigkeit. Wer sie bereits in der Pfanne auf die Konsistenz von Tapetenkleister reduziert, bekommt auf dem Teller keinen cremigen Herbst, sondern Kürbisspachtel.

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